Tod

Shownotes

Der Tod gehört zum klinischen Alltag – und ist doch jedes Mal eine Herausforderung. In dieser Folge sprechen wir über den ersten Kontakt mit dem Tod als junge Medizinerin oder Mediziner, den Umgang mit sterbenden Patientinnen und Patienten sowie die Kommunikation mit Angehörigen in Ausnahmesituationen.

Zu Gast sind Sandra Mai und Marion Ferner von der Palliativmedizin der Unimedizin Mainz, die aus ihrer täglichen Arbeit berichten. Sie geben Einblicke in die ärztliche Haltung gegenüber Sterbenden, den professionellen Umgang mit Trauer und Nähe, und wie man sich selbst emotional schützen kann, ohne empathielos zu werden. Eine ehrliche, sensible und praxisnahe Episode für alle, die Medizin nicht nur als Wissenschaft, sondern auch als menschliche Aufgabe verstehen.

In diesem Podcast werden Inhalte der curricularen Lehre, aber auch Themen, die für Studierende der Humanmedizin und alle, die sich informieren wollen, interessant sind behandelt. Sven-Oliver Dietz, Oberarzt des Zentrums für Orthopädie und Unfallchirurgie (ZOU), ist Host dieses Podcast. Zusammen mit seinen Interviewgästen nimmt er Euch mit in den klinischen Alltag am ZOU, bespricht mit ihnen praxisnah relevante Krankheitsbilder, diagnostische und therapeutische Prinzipien sowie typische Fallbeispiele – fundiert, verständlich und auf Augenhöhe.

Wir freuen uns über Euer Feedback an knochenschrauber@unimedizin-mainz.de.

Transkript anzeigen

00:00:04: Herzlich Willkommen zu Knochen Schraube, dem Unfallchirurgie Podcast aus dem Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie der Universitätsmedizin Mainz für Studierende und alle Interessierten.

00:00:16: Mein Name ist Sven Oliver Dietz.

00:00:17: Ich bin Oberarzt und Unterrichtsbeauftragter im Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie.

00:00:22: Und heute haben wir eine ganz besondere Folge.

00:00:24: Wir sprechen über das Thema Tod.

00:00:26: Ich habe hier für zwei Gesprächspartnerinnen aus der Palliativmedizin, die Frau Dr.

00:00:31: Ferner und die Sandra May.

00:00:34: Sandra May ist Diplompsychologin und wir sprechen darüber, wie man Patienten begleitet, mit Angehörigen spricht und auch, was der Tod eines Patienten für ein Behandler bedeutet und wie wir damit umgehen.

00:00:53: Wir haben schon im Vorgespräch gesagt, das Thema ist so umfassend und sind in dem kurzen Vorgespräch auch so viele Ideen gekommen, dass wir vielleicht noch weitere Folgen zu dem Thema machen.

00:01:02: Das würde mich sehr freuen, denn auch wenn der Tod ja so ein bisschen ein Tabuthema in der Medizin und in der Gesellschaft ist, Begleitet er uns ja doch und begegnet uns nahezu täglich.

00:01:23: Wir Unfallkirurgen sind jetzt natürlich auf der Seite, dass wir auch schwerste Verletzte und vielthalb drohte Patienten durch unsere operativen Tätigkeiten und die Zusammenarbeit mit den Kollegen und Kolleginnen aus der Anästhesie und in anderen chirurgischen Fächern, natürlich auch aus der inneren Medizin.

00:01:42: stabilisieren und am Leben erhalten, aber manchmal ist das ja nicht mehr möglich.

00:01:45: Wir können Patienten nicht mehr helfen.

00:01:49: Ganz andere Herangehensweise ist ja der Palliativmedizin.

00:01:51: Das bedeutet, da besteht ein Leiden, wo die Patienten und die Angehörigen möglicherweise schon wissen, das Leben geht zu Ende.

00:02:02: Wie erleben Sie das denn aus Sicht der Palliativmediziner?

00:02:06: Wie gehen Patienten damit um, wenn sie zu Ihnen

00:02:09: kommen?

00:02:12: Ja, wir erleben unterschiedliche Patienten natürlich und auch unterschiedliche Arten mit einer schlimmen Diagnose umzugehen.

00:02:22: Es gibt Patienten, die können das für sich sehr schnell annehmen, die gehen.

00:02:33: Also, die sind davon nicht schockiert.

00:02:35: Manchmal denken sie, ich hab ja auch so lange geraucht oder sind vielleicht gar nicht so überrascht von einer Diagnose.

00:02:41: Aber sie sehen das dann vielleicht auch sogar pragmatisch und sagen, ich muss mich jetzt um bestimmte Dinge kümmern.

00:02:47: Ich muss einiges noch in meinem Leben aufräumen oder muss eine Patientenverfügung ausfüllen.

00:02:55: Und mit solchen Patienten kommt man gut ins Gespräch, weil man dann auch schnell herausfinden kann, was ist Ihnen jetzt noch wichtig.

00:03:02: Was könnte man?

00:03:04: Worum sollten wir uns jetzt kümmern?

00:03:06: Was sind die Beschwerden und so weiter?

00:03:08: Aber es gibt auch Patienten und auch oft Angehörige, die das Thema gar nicht berühren wollen, die eigentlich fast entsetzt sind, wenn wir dazu kommen, weil sie dann sagen, ja, wieso?

00:03:25: Weil ich bekomme doch noch Therapie oder ... Bekomme ich jetzt doch keine Chemotherapie mehr.

00:03:31: Es ist wirklich schon so weit.

00:03:33: Und das sind häufig dann schwierige Gespräche, manchmal auch konfliktreiche.

00:03:40: Manchmal auch, das muss man auch aushalten, dass die Patienten oder die Angehörigen einen regelrecht angehen und sagen, wie konnten sie jetzt sowas sagen?

00:03:50: Wie konnten sie denn sagen, dass mein Mann oder ich sterben muss?

00:03:56: da kann ich ja jetzt gleich aus dem Fenster springen.

00:03:58: Also auch sowas erleben wir und das sind schon so die Herausforderungen.

00:04:03: Wie gehen wir damit um und wie lassen wir, wie versuchen wir dann vielleicht eine Gelegenheit zu einem weiteren Gespräch zu finden?

00:04:14: Ja, vielleicht noch ergänzend auch zu der Unterscheidung.

00:04:18: Wie erleben wir das Sterben in der einen Disziplin und in der anderen Disziplin?

00:04:24: Ich glaube, Wir können uns auch immer fragen, wann fängt das Sterben an?

00:04:32: Wir sehen Patienten, die ja oft eine Diagnose schon länger haben und sich vielleicht auch an diese Gedanken, wie du es eben auch schon gesagt hast, gewöhnen konnten.

00:04:42: Und diese Chance fehlt ja bei ihnen häufig.

00:04:45: Das ist ja in der Regel eher nicht so, sondern eben das Akute.

00:04:50: Und das ist natürlich eine große Frage, die wir dann auch mit den Patienten oder Angehörigen erarbeiten können.

00:04:56: An welchem Punkt stehen wir denn gerade in diesem Prozess, dass ein Leben zu Ende geht?

00:05:01: Also ja, wo steht man, welche Rollen hat man vielleicht schon aufgegeben, welche Rollen hat man schon abgegeben?

00:05:09: Was kann man schon nicht mehr tun, aber was kann man auch noch tun?

00:05:13: Also auch da ist ja noch ein ganz anderer Blick auch möglich auf Ressourcen.

00:05:16: Was geht jetzt noch in dieser Phase?

00:05:20: Und das ist natürlich etwas, was wir versuchen, dann zu stärken.

00:05:23: Sie sprechen das an.

00:05:26: Die Kommunikation ist ja eine ganz schwierige zum Thema Tod.

00:05:30: Und bei uns ist es ja so, dass wir in aller Regel das mit den Patienten selbst nicht besprechen können, wenn wir jetzt bei den klassisch unverchirurgischen Unfallopfer mal bleiben.

00:05:42: müssen aber dann mit den Angehörigen sprechen.

00:05:44: Und das ist ja nicht so, dass der Patient schon verstorben ist, wenn wir mit den Angehörigen sprechen, sondern wir in einer Situation sind, dass wir wissen, wir können jetzt nichts mehr machen.

00:05:54: Und gibt es da etwas, wo Sie sagen, da gibt es so ein paar wichtige Dinge, die zu beachten sind in der Kommunikation mit den Angehörigen?

00:06:06: Was sollte man sagen?

00:06:07: oder vielleicht auch schwierigerer Teil der Frage, was sollte man nicht?

00:06:12: sagen in der Situation.

00:06:14: Oder gibt es da gar kein Patentrezept?

00:06:19: Patentrezepte sind ja immer schwierig, weil es immer individuelle Situationen sind.

00:06:27: Der Ausdruck, jetzt können wir nichts mehr für sie tun, den finde ich gar nicht so glücklich.

00:06:33: Weil man kann eben nicht mehr heilen oder man kann die Erkrankung nicht mehr zum Stillstand bringen.

00:06:42: Aber man kann natürlich noch einiges tun zum Beispiel, die Schmerzen lindern oder die Angst des Patienten versuchen zu behandeln.

00:06:53: Oder möglicherweise auch noch mal klären, wo der Patient seine letzte Zeit verbringen kann.

00:07:01: Muss das im Krankenhaus sein oder gibt es andere Möglichkeiten?

00:07:07: Wer soll noch mal zu Besuch kommen?

00:07:10: Also eigentlich eher so die Dinge, die sich um die Gestaltung dieses Lebensendes drehen.

00:07:20: Mir ist wichtig, dass die Patienten und auch die Angehörigen das Gefühl haben, auch wenn wir den Patienten nicht retten können und ersterben wird, hat er trotzdem noch unsere ganze Aufmerksamkeit.

00:07:35: Ich glaube, das geht manchmal ... ein bisschen unter, so auch in der Hektik der Akutmedizin, eher gut, der ist jetzt eben sterben, da können wir nichts mehr machen, da müssen wir jetzt sehen, dass wir das Zimmer vielleicht bald wieder neu belegen, manchmal im extremen Fall, aber tatsächlich sind es oft auch für die Angehörigen ganz wichtig.

00:08:01: dass es ein guter Abschied sein kann.

00:08:03: Und das bedeutet auch, der Patient ist uns nicht gleichgültig.

00:08:08: Wir versuchen, ihn so gut wie möglich zu begleiten bis zum Ende.

00:08:18: Ja, Sie haben ja gefragt auch, was sollte man vielleicht nicht tun?

00:08:23: Ich glaube, oder mein erster Impuls zu sagen, bei dem, wie man oder was man tun sollte für ein gutes Gespräch, war erst mal tief durchatmen.

00:08:32: Als er sich kurz besinnen,

00:08:34: was

00:08:35: man jetzt sagen möchte und auch sich kurz die Zeit nehmen für diesen Übergang aus diesen hektischen Aktionismus, den ich mir bei Ihnen vorstelle und dieser Erkenntnis, okay, wir stoppen diese Maßnahmen und dieser Übergang zu dem Gespräch, das dann zu führen ist.

00:08:55: Also da, glaube ich.

00:08:58: Andersrum gesagt, was man nicht tun sollte, das eben auch in Hektik und mit viel Aktionismus zu tun, sondern da kurz innezuhalten, tief durchzuatmen und sich auch einen guten Raum zu suchen, einen Setting aufzubauen, wo so ein Gespräch erst mal stattfinden kann, dass man selbst auch ruhig werden kann für so ein Gespräch.

00:09:18: Und an Gesprächshilfen gibt es das Bikes-Protokoll von Walter Bale.

00:09:25: Genau mit dem anfängt, also das S steht für Setting und dann ist das quasi so eine Handlungshilfe, ein Akronym.

00:09:33: Und hinter all dem steht aber die Haltung, also dass wir uns bewusst machen, was wir jetzt vermitteln oder übermitteln.

00:09:42: Ich habe da einfach auch eine gehörige Portion Empathie mit reinlegen

00:09:46: in so ein Gespräch.

00:09:48: Also das habe ich auch festgestellt, dass es sehr wichtig ist, das in einem ruhigen Raum zu machen, auch in Raum zu wählen, wo die Angehörigen noch danach sitzen bleiben können, der nicht sofort wieder gebraucht wird.

00:09:59: Also der so ein ganz frequentierter Raum in der Notaufnahme ist er sicherlich nicht geeignet, sondern dass da so ein Rückzugsort ist.

00:10:07: Viele Angehörige ahnen ja auch schon was los ist, wenn sie in so einen ruhigeren Raum geführt werden und der Angehörige oder die Angehörige einen schweren Unfall hatte.

00:10:17: Und was ich auch festgestellt habe, dass es allen wichtig ist, ob der betroffene Schmerzen und Angst hat und dass man den auch den Angehörigen die Angst nimmt.

00:10:27: Weil wir geben ja den Patienten schon den Notarzt, macht das, gibt Medikamente gegen Angst und gegen Schmerzen und es kommt, das habe ich nie erlebt, dass ein Patient hier in Panik und schlimmen Schmerzen nach einem Unfall ankommt.

00:10:41: Also außer er wird von Leinen gebracht dann natürlich, aber ansonsten kommt das nicht vor.

00:10:47: Wie sehen Sie das?

00:10:47: Ich stelle häufig fest, dass Kollegen keine klaren Worte finden, sondern die verklausulieren den Begriff Tod und Sterben.

00:10:56: Ich finde, wenn man sagt, ihr Angehöriger ist tot, ist das ja nicht empathielos, sondern das ist ja so.

00:11:03: Aber manchmal werden ja so komische Formulierungen gebraucht, die schwerste Verletzungen.

00:11:11: Und ja, sind Sie da eher, denken Sie, klare Worte sind gut oder so ein bisschen beschönigende Worte?

00:11:21: Wie sehen Sie das?

00:11:27: ist es in den meisten Fällen besser, wenn man sich klar ausdrückt.

00:11:36: Und die Angehörigen wissen in der Regel auch zu schätzen, dass man ihnen nichts vormacht in so einer Situation.

00:11:45: Die Patienten im Übrigen auch nicht, wenn man die Patienten dazu befragen kann.

00:11:51: Sondern es kommt oft darauf an, dass ... sie einem die Empathie und auch, dass es uns schwer fällt, solche Diagnosen zu stellen.

00:12:06: Das soll man uns schon anmerken.

00:12:09: Aber das Verklausulieren, das Verlieren in medizinische Fachbegriffe, das Monologisieren, dass man gar nicht mehr aufhört, das dann immer weiter auszuschmücken.

00:12:24: hilft einem ja häufig, dann gar nicht mehr so sehr darauf zu achten, wie die Angehörigen schauen oder was sie jetzt vielleicht fragen könnten.

00:12:35: Es ist aber schon wichtig, ins Gespräch zu kommen, weil es ja oft auch noch viele Fragen gibt, nämlich zum Beispiel, wie lange dauert es denn jetzt noch?

00:12:44: oder kriegt er noch irgendwas mit, mein Angehöriger, oder darf ich dabei sein.

00:12:56: Und solche Fragen präzise zu beantworten oder nach bestem Wissen und Gewissen, das ist glaube ich schon wichtig.

00:13:05: Und dass man das nicht beschönigen kann, wenn die Situation so furchtbar ist, das fällt einem schwer, weil man natürlich nicht gerne so schlechte Nachrichten überbringt.

00:13:19: Aber für die klaren Worte, haben wir die, habe ich die Erfahrung gemacht, sind die meisten Angehörigen am Ende dankbar.

00:13:31: Ja, ich habe auch gerade überlegt, also wenn man Dinge verklausuliert, also ein Beispiel, ja, ihr Angehöriger hat sich jetzt auf den Weg gemacht.

00:13:41: Das kann ja auch im ersten Moment eine ganz andere Fantasie auslösen,

00:13:46: als

00:13:46: die, dass sie mir eigentlich mitteilen wollten, dass mein Angehöriger gerade

00:13:50: im Sterben liegt.

00:13:54: Ich glaube, da ist es auch, wie du es auch schon sagt, dass diese klaren Worte sind hilfreich, auch wenn sie für uns selbst vielleicht auch schmerzhafter sind, weil wir selbst natürlich auch dann an unsere eigenen Gefühle kommen.

00:14:08: Und das ist aber genau das, was ja hilft, dass wir da sind, dass wir näher zulassen, dass wir auch zeigen, dass wir auch betroffen sind und das auch so einzuleiten, wenn es einem schwer fällt.

00:14:21: Das sozusagen, es fällt mir jetzt schwer, was ich Ihnen mitteilen muss.

00:14:26: Das kann man

00:14:27: machen.

00:14:29: Und dann baut man sich selbst so einen kleinen Anlauf, den man dann nutzen kann, bevor man über diese Hürde springen muss, das eben mitzuteilen, was mitzuteilen ist.

00:14:38: Ich habe auch die Erfahrung gemacht, also diese klare Auskunft, ihr Angehörige ist tot oder ist so schwer verletzt, dass wir absehen können, dass sie verstürbt.

00:14:53: Das braucht auch gar keine weitere Erklärung.

00:14:55: Also wenn man dann in so einen Staatsexamensaufsatz ausbricht und die ganzen Verletzungen aufzieht und wie hoch ist hier die Wahrscheinlichkeiten, was könnte man hier machen?

00:15:04: und da das interessiert ja nicht.

00:15:07: Und wenn man sich jetzt mal kommt ja wieder die Empathie in die Lage des Angehörigen versetzt, man würde das ja selbst auch gar nicht hören wollen, vielleicht aus medizinischem Interesse, aber als Angehöriger hier eigentlich gar nicht.

00:15:22: spielt ja auch gar keine Rolle.

00:15:23: Und ich glaube, man muss in der Situation auch als derjenige, der die Nachricht überbringt, stille und ruhig aushalten.

00:15:31: Dass halt eben nicht die ganze Zeit Kommunikationsstadt findet oder dass man auch bei dem Angehörigen sitzen bleibt, wenn die dann weinen.

00:15:40: Also ich habe mir immer angewöhnt, wenn ich zu so einem Gespräch gehe, eine Packung Taschentücher mitzunehmen, um das eben anzubieten.

00:15:46: Man kann ja gar nicht viel machen, was soll man machen.

00:15:51: Wie sehen Sie das denn, wie sehr, wenn man jetzt noch nicht so viele Erfahrungen damit hat, jetzt haben wir ja alle ein paar Berufsjahre auf dem Buckel wir drei, haben das schon öfter erlebt, dann haben das unsere eigenen Strategien natürlich entwickelt und wir kommen da vielleicht noch nach einer drauf.

00:16:07: Wir haben es im Vorgespräch auch gesagt, jeder hat so eine Komode, wo so ganz, ganz viele Fälle in den Schubladen sind, die Fälle, die Schubladen sind auch zu und man ist froh, wenn die nicht aufspringen eines Tages.

00:16:21: Wie sehr soll man sich da einbringen?

00:16:26: Soll man Angehörige in den Armen nehmen oder wie persönlich soll man werden?

00:16:31: Soll man sagen, wenn Sie ein Problem haben, rufen Sie uns an und eine private Hände rausgeben?

00:16:36: Was geben Sie da für Tipps an jüngere Mitarbeiter?

00:16:47: Unser ehemaliger Chef, der hatte immer den Begriff professionelle Nähe verwendet und das hört sich so etwas sperrig an, aber eigentlich beschreibt es ganz gut das, was wir versuchen sollten zu schaffen, dass wir diese Nähe zu den Angehörigen versuchen herzustellen über die Zeit, die wir uns für sie nehmen, die Worte, die wir finden und vielleicht auch mal eine Berührung oder einen in den Arm nehmen, was ja nicht immer die richtige Geste ist.

00:17:26: Aber trotzdem gehören wir nicht zur, wir sind nicht die Trauernden, wir sind nicht die Familie.

00:17:34: Und wir ... Ich würde es nicht richtig finden, dass man sich privat zu sehr involviert.

00:17:46: Weil es ... weil man damit auch eine Grenze überschreitet, also die Grenze dessen, was man eigentlich von sich selber fordern darf, aber auch die Grenze von einer anderen Familie, die wir ja sonst gar nicht kennen

00:17:59: würden.

00:18:01: Und deshalb glaube ich, es gibt, man kann in so einem Gespräch sehr persönlich werden und manchmal auch vielleicht eine persönliche Erfahrung.

00:18:14: Das muss aber auch gar nicht sein.

00:18:16: Ich glaube, dass man in so einer Situation authentisch ist, dass man auch betroffen ist und damit auch ein Trost vermitteln kann.

00:18:28: Das bedeutet viel.

00:18:30: Aber es ist nicht unsere Aufgabe, dass wir die Trauerbegleiter sind für die Familie, auch für die

00:18:38: Angehörigen.

00:18:42: Wir lernen auch immer in der Palliativmedizin, also die Seelsorge, die ja auch da quasi ein Unterricht mitgestaltet, dass der Arzt oder die Ärzte ein Trauerbegegner ist.

00:18:54: Das finde ich eigentlich ein guter Begriff.

00:18:56: In dieser Trauer, ja, der begegnen wir alle, aber wir werden sie nicht begleiten.

00:19:02: Also wir verabschieden die Angehörigen dann

00:19:05: auch

00:19:06: und wir verabschieden

00:19:07: uns auch

00:19:07: von dem Patient und der Patientin.

00:19:10: was auch dann für die eigene Gesundheit im Umgang mit den vielen Todesfällen ganz wichtig ist.

00:19:19: Auch das bewusste Abschied nehmen.

00:19:21: Ja, absolut.

00:19:23: Das finde ich, kann man gar nicht genug betonen, dass man natürlich eine Nähe vermittelt, aber trotzdem die Professionalität wahrt und sich da gar nicht involvieren lässt, dass man natürlich eine Empathie braucht.

00:19:37: würde auch auf jeden Fall, also niemals irgendwelche privaten Dingerpreise gehen, wie Telefonnummer oder wie Sie auch gesagt haben, so eine Grenzüberschreitung, jemanden in den Arm zu nehmen.

00:19:46: Das finde ich, das ist so viel.

00:19:48: Es gibt vielleicht mal Patienten, die so was brauchen, aber als, ich würde sagen, als regelhafte Geste würde ich das nicht ins Repertoire aufnehmen.

00:19:57: Ich glaube, das merkt man auch in der Situation ganz gut, was braucht die Familie jetzt, was braucht der Patient?

00:20:03: und ist da jetzt auch vielleicht eine Gemeinschaft da, also kommen da zwei Angehörige oder mehr?

00:20:08: oder ist da jemand so ganz alleine und mit der Situation völlig überfordert.

00:20:17: Wir hatten das ja schon diese Problematik mit dem ersten Todesfaden, jetzt haben wir immer über den Patienten, also über den Sterbenden gesprochen und über die Angehörigen, aber uns gibt es ja auch, uns Therapeuten und wir.

00:20:36: Irgendwann hat ja jeder seinen ersten Toten und da ja der Podcast auch für Studierende ist und das war ja auch in der Klinik gemacht.

00:20:49: Ich habe dort meine ersten Toten gesehen, aber auch da war das ja so, wo das ist schon was Besonderes.

00:20:56: Der erste Tote oder die erste Tote, die vergisst man auch nicht.

00:21:00: Wie gibt es da so ... Rüstzeug, wie gehe ich damit um?

00:21:07: Oder ist das auch sehr individuell?

00:21:10: Oder gibt es da so ein paar Tipps, was man da machen kann?

00:21:20: Ich bin Anesthesistin und ich habe relativ lange gebraucht, um das auch aushalten zu können, dass da jemand tot ist.

00:21:31: Weil wenn man im OP ist oder ... auf der Intensivstation.

00:21:36: Da sterben zwar die Leute, aber eigentlich ist der Fokus da ja gar nicht so drauf.

00:21:40: Und man kann es auch, ich konnt es nicht gut aushalten, ehrlicherweise.

00:21:44: Und ich hab dann in der Prioritivmedizin und auch jetzt so auf den Stationen, wenn man das so sieht, da sind wir manchmal dabei, wenn die Patienten tatsächlich ihre letzten Atemzüge haben oder eben gerade verstorben sind.

00:22:02: Und ich finde, es ist schon ganz gut, da auch noch mal dabei zu sein oder da innezuhalten, sich das auch klarzumachen, dass da jetzt eben das Leben zu Ende ist und das zu enttabuisieren auch für sich selbst, weil es eben nun mal dazugehört.

00:22:31: kommt auf die Welt, aber man stirbt auch irgendwann.

00:22:33: Und deswegen würde ich eher dafür plädieren, die Scheu abzubauen.

00:22:41: Und auch den Studierenden zu sagen, wenn da ein Patient auf der Station ist, wo ihr vielleicht gerade ein Praktikum macht, geht doch da einfach mal rein und haltet mal die Hand oder guckt nach dem Patienten.

00:22:55: oder sprecht mit den Angehörigen, die vielleicht dabei sitzen, die sind froh, wenn jemand kommt.

00:23:03: Das hilft einem selber, damit besser klarzukommen und es hilft eben auch, die Scheu und das Vermeiden zu verhindern, weil wir werden das erzählen, wir auch eigentlich immer im Studentenunterricht, dass Man muss nicht in der Palliativmedizin arbeiten, um sterbende Patienten zu erleben.

00:23:24: Das heißt aber auch, man wird es nicht wirklich verhindern können, selbst, wenn man was ganz anderes macht.

00:23:31: Ja.

00:23:34: Ich habe gar nicht viel zu ergänzen.

00:23:38: Also, wir hatten es ja auch eben mal ganz kurz im Vorgespräch angesprochen.

00:23:44: Der Impuls ist ja als Berufseinsteiger, finde ich, in der Klinik stark zu sein oder so zu tun, als wäre man stark und dann geht man nach Hause und bricht entweder dort zusammen oder nimmt er diesen ganzen Fall mit nach Hause.

00:23:59: Das macht man ja sowieso und berichtet dann den Partner, den Eltern, den Angehörigen davon, was er sicherlich hilft.

00:24:08: Aber würden Sie denken, dass so eine Dass das der richtige Weg ist, oder ist es besser, sich mit den Kollegen, die vielleicht auch bei diesem Fall dabei war, auszutauschen und zu Hause?

00:24:20: Natürlich spricht man davon, aber das ist vielleicht nicht so sehr zu thematisieren.

00:24:26: Dann habe ich doch noch eine Ergänzung.

00:24:29: Genau.

00:24:30: Ja, vielleicht auch einen Rat an die jungen Kolleginnen.

00:24:35: Sucht euch ältere Kolleginnen, die Erfahrung haben und eben auch einen Appell an die Erfahrenden.

00:24:43: nehmt doch die Jüngeren mit und auch über die Professionen hinweg.

00:24:50: Also ich glaube, da ist auch ganz wichtig, wieder die Zusammenarbeit auch mit den Pflegekräften, wenn sich da irgendwie die Gelegenheit ergibt, mal jemanden mit zu versorgen, mit zu begleiten, da mitzugehen und diese Erfahrung zu sammeln, um eben auch zu sehen.

00:25:08: Und das ist das, was ich dann so hilfreich finde.

00:25:11: dass man eben noch viel tun kann, dass da so viel Gutes noch im eigenen Tun

00:25:17: und Handeln

00:25:18: entstehen

00:25:19: kann,

00:25:20: was einem dann ja auch wieder eine gewisse Kraft gibt oder vielleicht auch mit einer gewissen Dankbarkeit erfüllt, dass man diesen Weg so gut begleiten kann, den man aber nicht ändern kann, also von der Haltung

00:25:33: her.

00:25:35: Und ja, wenn wir dann berührbar sind, kommen wir eben an.

00:25:40: Gefühle, die nimmt man mal mit nach Hause.

00:25:45: Ohne dass man vielleicht gleich den ganzen Fall oder die ganze Geschichte oder den ganzen Patienten die ganze Patientin mitnehmen muss, kann es auch sein, dass man einfach mal so eine Grundstimmung mitnimmt.

00:25:59: Und die darf man, glaube ich, auch zu Hause mal abladen.

00:26:02: Da sind wir ja alle nicht, also keine Roboter.

00:26:08: Und trotzdem ist es wichtig, sich da

00:26:11: im

00:26:12: Arbeitsumfeld auch die entscheidenden Teamkolleginnen zu

00:26:18: suchen,

00:26:19: die einen da auch unterstützen, wo man was abladen kann.

00:26:25: Ja, mir ist gerade eingefallen, als ich Pflegepraktikum gemacht habe, das ist ja jetzt schon wirklich sehr, sehr lange her, muss ich sagen.

00:26:36: Und da war ich aus einer inneren Station und da war eine schwerkranke Patientin.

00:26:40: Die war auch sterben, das war mir nicht so richtig klar natürlich, aber die war karaktisch, die hat immer geschrien, wenn sie gelagert wurde und so.

00:26:51: Und dann habe ich irgendwann zu der Schwester, mit der ich das zusammengearbeitet habe gesagt, das ist aber schrecklich, kann man denn da nichts machen.

00:27:00: Und dann hat sie gesagt, wenn du das nicht aushältst, dann solltest du vielleicht besser was anderes studieren.

00:27:09: Und irgendwie zieht sich das ja so ein bisschen durch das Studium durch, dass man sich da eigentlich nicht so viel anmerken lassen soll und dass man auch vielleicht nicht zu gefühls... betont mit manchen Sachen umgehen muss, weil man erlebt ja viele harte Situationen auch im Studium.

00:27:30: Und ich habe aber jetzt gerade vor gestern oder vor gestern in Zeit online war so ein Artikel über das PH.

00:27:38: Das war eigentlich ganz erschreckend.

00:27:39: Es waren so Berichte von Studierenden, die ihre PH-Zeit erlebt haben.

00:27:45: wie wenig sie gelernt haben, wie wenig sie auch die Dinge reflektiert bekamen oder wie wenig sie an die Hand genommen wurden.

00:27:56: Und deswegen ist es so... würde ich das so unterstreichen wollen, was du gesagt hast Sandra, dass es einfach schon wichtig ist, dass wir uns den der jungen Leute irgendwie annehmen und auch ihnen sagen, wie man vielleicht mit einer Situation umgehen kann oder was uns selber berührt, bedrückt, frustriert, weil wir wollen ja nicht, dass die... dass alle Studierenden sagen, das ist so schrecklich und mir hilft keiner.

00:28:25: Und wie soll ich damit klarkommen?

00:28:27: Das kann ja nicht unser Ziel sein, der Ausbildung.

00:28:30: Und deswegen, ja, würde man schon da als Mentoren verstehen und dass auch solche schwierigen Themen aufarbeiten, schwierige Patientenbegleitungen, frustrierende.

00:28:45: Erfahrungen, Misserfolge, weil das ja eben nun mal auch dazu gehört.

00:28:50: Also ich

00:28:52: habe

00:28:52: auch mit dem nach Hause nehmen von Sternen, jetzt gerade bei uns mit Polytraumassituationen die Erfahrung gemacht.

00:28:59: Man kommt nach Hause, hat diese Erfahrung gemacht und wird das vielleicht auch teilen.

00:29:04: Und zu Hause gibt es aber auch Probleme.

00:29:05: Und man wird dann schnell ungerecht und denkt sich, Mensch, das ist das.

00:29:10: Es ist egal, ob der Müll rausgebracht werden muss oder ob die Waschmaschine kaputt ist, Mensch, heute ist ein Kind gestorben und kannst du dir das überhaupt vorstellen.

00:29:20: Das ist nicht der Ort, um das abzubauen, weil der Partner das natürlich nicht auffangen kann und das auch gar kein Problem ist, das was in der Familie zu suchen hat.

00:29:29: Man kann natürlich sagen, ich habe heute was erlebt, das brauche ich jetzt meine Zeit oder ich bin heute nicht so lustig oder ich habe jetzt keine keine Lust, irgendwas zu machen, was wir eigentlich vorhatten, weil es mir einfach jetzt nicht mehr danach ist.

00:29:43: Das ist ja was ganz anderes.

00:29:44: Aber ich glaube, wenn man diese Sache zu sehr nach Hause nimmt, auch es ist natürlich wichtig, aber das kann einfach in der Familie und in der Partnerschaft nicht aufgefangen werden.

00:29:57: Dafür ist die auch nicht da.

00:30:00: Also da denke ich, da muss man wirklich, das ist so eine Sache, die man da lernen muss.

00:30:05: So, wir reden eine halbe Stunde, das ist so unsere Zeit für den Postcast.

00:30:09: Wir haben ja festgestellt, die Aufmerksamkeitsspanne ist nicht viel länger bei Postcast-Hörern.

00:30:16: Ich fand das ein super spannender und tolle Folge zu dem traurigen Thema.

00:30:22: Ich glaube, wir haben ganz, ganz vieles noch nicht besprochen und es gibt ganz, ganz vieles, worüber wir noch reden müssen und freue mich schon auf eine Fortsetzung, für die wir uns dann Vielen Dank fürs hier sein.

00:30:37: Vielen Dank.

00:30:44: Ja, danke schön.

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