Polytrauma

Shownotes

In dieser Folge sprechen wir über die Versorgung des Polytraumas – eine der größten Herausforderungen der modernen Unfallchirurgie. Gemeinsam mit Dr. Wollstädter geht es um Schockraum-Management, klare Prioritäten, Teamwork und typische Fehler junger Kolleg:innen. Wir zeigen, wie ABCDE, Damage Control und strukturierte Kommunikation überleben sichern. Eine kompakte, praxisnahe Episode für alle, die Notfallmedizin verstehen oder darin arbeiten wollen.

Willkommen zum Podcast „Knochenschrauber – der Unfallchirurgie und Orthopädie Podcast der Unimedizin Mainz“. In diesem Podcast werden Inhalte der curricularen Lehre, aber auch Themen, die für Studierende der Humanmedizin und alle, die sich informieren wollen, interessant sind behandelt. Sven-Oliver Dietz, Oberarzt des Zentrums für Orthopädie und Unfallchirurgie, ist Host dieses Podcast. Er unterhält sich jede Woche mit einem Gast.

Wir freuen uns über Euer Feedback an knochenschrauber@unimedizin-mainz.de.

Transkript anzeigen

00:00:04:

00:00:07: Herzlich willkommen zum Knochen-Schrauber, dem Unfallchirurgie-Podcast aus dem Zentrum für Ortebedien und Unfallchirurgie der Universitätsmedizin Mainz.

00:00:14: Mein Name ist Sven Oliver Dietz.

00:00:16: Ich bin Host des Podcasts und Oberarzt am Zentrum für Ortebedien und Unfallchirurgie.

00:00:21: Und heute sprechen wir über eine der größten Herausforderungen in unserem Fach, nämlich die Politraumaversorgung.

00:00:27: Hierfür habe ich mir einen besonderen Gast eingeladen, meinen Kollegen, Dr.

00:00:31: Jochen Wollstetter.

00:00:33: Jochen ist bei uns Oberarzt seit vielen, vielen Jahren im Team und bei uns für die Traumanletzwerkkoordination zuständig.

00:00:42: Hallo Jochen, grüß dich.

00:00:43: Hallo Oli, grüß dich.

00:00:45: Also es geht um Schockraummanagement, Prioritäten setzen, Teamarbeit und natürlich für unsere Zielgruppe die jungen Ärzte, Ärztinnen und Studierende.

00:00:55: Was muss man in so einer Situation wissen?

00:00:57: Und warum muss man gar nicht so viel Angst davor haben, wenn ein schwer verletzter Patient kommt?

00:01:04: Fangen wir doch mal an.

00:01:06: Es gehen ja so ein paar Begriffe durcheinander, finde ich.

00:01:08: Zumindest bei uns in der Frühbesprechung manchmal.

00:01:11: Da ist Schockraum-Patient und Polytraum-Patient immer so ein bisschen equivalent.

00:01:16: Man weiß eigentlich gar nicht, was ist das jetzt für ein Patient?

00:01:18: Kannst du da kurz eine Klärung bringen, was ist ein Polytrauma und was ist ein Schockraum-Patient?

00:01:27: Also ein Schockraumpatient für jetzt die Uni Mainz, der würde spezielle Kriterien erst mal erfüllen.

00:01:34: Also gibt mehrere Möglichkeiten, das Verletzungsmuster, der Unfallmechanismus, das, was die Kollegen die Notarzt draußen so sehen und finden.

00:01:44: Und das ist jetzt erstmal der Schockraumpatient, den ihr Mainz in den Mainzer Schockraum eingeliefert wird.

00:01:50: Und davon vielleicht ein bisschen zu unterscheiden, ist der Schwerverletzte, der polytraumatisierte Patient, der mehrere Knochenbrüche haben kann, der im klassischen Definierung zwei Körperhöhlen verletzt hat oder mindestens zwei Körperhöhlen verletzt hat.

00:02:06: Das ist jetzt so der Unterschied.

00:02:07: Also nicht jeder.

00:02:09: Schockraum-Patient ist gleich ein Polytraum-Patient.

00:02:12: Das heißt, es gibt viele Patienten, die draußen Verkehrsmannfall hatten und einfach nur, weil die mit hoher Geschwindigkeit irgendwo hingefahren sind und die Kriterien für eine spezielle Diagnostik erfüllen, somit quasi in den Schockraum eingeliefert werden, aber meistens nicht schwer verletzt werden.

00:02:30: Wenn wir uns jetzt mal schon ein bisschen statistisch aufs Arbeiten würden, wir machen hier in Mainz Roundabout irgendwas zwischen acht hundert und tausend.

00:02:38: Schockräume pro Jahr.

00:02:40: Und darunter sind in der Regel, ich würde mal tippen, so zwanzig bis fünfzehn Prozent, welche die schlimmere Verletzung haben und die dann nochmal unterteilt werden, von denen die richtig, richtig schwer verletzt sind.

00:02:53: Beim Politraum hat es ja gesagt, also entweder eine Verletzung oder die Summe der Verletzung ist lebensbedrohlich.

00:02:59: Da gibt es ja auch den ISS-Score.

00:03:00: Das fände ich jetzt hier in dem Podcast ein bisschen langweilig zu erläutern, weil man den ja auch sehr schön nachlesen kann.

00:03:08: sage ich mal, da stemme ich jetzt als Service auf einer Folie, die wir dann den Shownotes verlinken nochmal da, was der ISS jetzt genau ist und wie der sich errechnet.

00:03:18: Wenn wir euch das jetzt so erklären, dann dreht sich irgendwann der Knoten in Zürn und dann weiß man gar nicht mehr, was gemeint ist.

00:03:24: Das ist ja tatsächlich auch die Berechnung, das ist ja nicht so einfach.

00:03:26: Das läuft ja, wenn man so will, über ein Computer.

00:03:29: Das ist,

00:03:30: glaube ich, der Schlausse, dass man sich das mal, wenn man das möchte, selber anguckt und dann kann man ja auch noch

00:03:34: Fragen stellen.

00:03:35: Also ISS steht für Injurizability Score, das verlinken wir einfach, das ist dann einfach besser zu verstehen.

00:03:44: Jetzt haben wir die als eigene Patientenkategorie dargestellt, warum ist das so wichtig?

00:03:51: Ich finde, die brauchen eine genaue Diagnostik und doch eher so eine interdisziplinäre Betrachtungsweise, Behandlungsweise.

00:04:01: Das ist nicht nur so, dass wir als Traumatologen hingehen und die Patienten nachher noch irgendwie eine Kopfverletzung haben oder eine Bauchverletzung haben, sondern dass wir dann tatsächlich da ... Plan machen können, ist davor nicht jeder erst irgendwie da was, sag ich mal, mitmachen und sonst wird es ein bisschen durcheinander, sondern das sind ja, wenn es dann richtig hart auf hart kommt, schwer verletzte bedrohte Patienten, lebensbedrohte Patienten, da muss alles passen, da muss jeder wissen, was der andere tut oder macht und damit das irgendwie eine runde gute Sache und am besten die optimalste Behandlung für den Patienten gibt.

00:04:36: Du hast es ja schon so angesprochen, der braucht viele Ärzte oder wahrscheinlich Ärzte von mehreren Disziplinen.

00:04:44: Wir haben ja bei den Schockräumen heutzutage so fest definierte Teams, kannst du mal kurz erläutern, wie so ein Schockräumteam aufgebaut ist?

00:04:52: Also das Kern Ärzte-Team besteht hier aus dem ersten Dienst der Anesthesiologie.

00:04:58: Das ist quasi im Tages- oder Nachtbetrieb der diensthabende Ansthesist.

00:05:02: Der hat das Schockhorn-Telefon, das heißt da ist es hier in Mainz, die Notärzte rufen den Kollegen an oder der Rettungsdienst rufen direkt da den Kollegen an und machen dort einer idealerweise Arzt-zu-Arzt-Übergabe über Verletzungsmuster, was passiert das?

00:05:17: und so weiter.

00:05:19: Zweites Mitglied ist der diensthabende Traumatologe, der Orthopäde und Unfältscheroge.

00:05:25: Und als drittes Mitglied gibt es noch den Radiologen, das ist das Kernteam.

00:05:29: Plus natürlich ... die Pflegekräfte.

00:05:32: In der Anstasie die ATAS, bei uns die Pflege aus der ZNA und in der Radiologie die Medizinisch-Technik und Radiologischen

00:05:39: Assistenten.

00:05:40: Das ist so das Kernkompetenzt-Team.

00:05:42: Und dann kann man natürlich jede Fastidiz mit Plinen dazuholen, die wir benötigen für Kopf, Brustkorb, Herz und was auch

00:05:49: immer.

00:05:51: Wenn ja jetzt so viele Disziplinen zusammenkommen, dann fragt man sich ja, wer ist denn jetzt

00:05:57: der...

00:05:58: Der Chef, oder gibt es da gar keinen Chef?

00:05:59: Wie ist das?

00:06:00: Ja, also Teamleiter bleibt primär der Anastasist mit dem orthopäden Unfallschirurg zusammen.

00:06:06: Das sind so jetzt erstmal diejenigen, die sagen, wir fahren nach links, wir fahren nach rechts.

00:06:10: Wenn das jetzt sich rauskristallisiert, dass der Patient nur eine Leberverletzung hätte und sonst nichts, dann... ist das quasi ein Patient, der in die Behandlung der Allgemeinen bis zur Ralschirurgien übergehen würde.

00:06:24: So kann man das grundsätzlich sehen.

00:06:25: Und ansonsten, wenn es jetzt einer ist, der diverse Knochenbrüche hat, plus Kopfverletzung, plus was auch immer, dann ist das erstmal was Interdisziplinäres, dann ist es grundsätzlich ein Patient, der bei uns in der Orthopädie- und Unfallchirurgie bleibt und wie die Kollegen versuchen, dann immer dazu zu holen.

00:06:39: Und die meisten Patienten liegen ja auch auf der Intensivstation.

00:06:42: erstmal, die Schwerverletzten.

00:06:44: Du hast das ja gesagt, wie das läuft.

00:06:45: Der Rettungsdienst ruft hier in der Klinik an.

00:06:47: Das ist ja wahrscheinlich in ganz Deutschland so.

00:06:50: Irgendjemand ruft in der Klinik an und sagt Bescheid, es kommt jemand.

00:06:52: Und auch ungefähr wann der ankommt und was das für ein Unfallmechanismus war.

00:06:58: Und dann fangen wir ja mal schon an uns zu organisieren, wie du auch gesagt hast, brauchen wir noch über das Kerntraumatrin hinausgehende Kompetenz.

00:07:06: Aber auch wenn wir die nicht brauchen, müssen ja Vorbereitungen getroffen werden.

00:07:10: Was sind denn so typische Materialien, bei denen man, die man vorbereiten sollte bzw.

00:07:15: wo man mal gucken sollte, ob die auch vorhanden sind oder noch schnell organisiert werden müssen?

00:07:21: So, man muss... Prima das CT, also jetzt organisatorisch muss man vieles machen, das versucht man immer so ein bisschen parallel zu machen, das heißt der Anesthesist und der Traumatologe müssen das so im Wesentlichen telefonisch und organisatorisch in die Hand nehmen.

00:07:33: Man braucht ein CT, also die Radiologen muss man kontaktieren und sagen, da kommt in der Zeit ein Patient, der braucht wahrscheinlich eine CT-Diagnose, das heißt das muss man irgendwie vorbereiten, gucken, dass das frei ist.

00:07:45: Im Schockraum selber muss man gucken, dass da Blutentnahme, Bronylsachen sind für intraossäre Zugänge, Torachs, Drainagen, Beckenzwinge, Beckengurte, natürlich Verbandstoffe für offene Verletzungen, Antibiose, Tetanus, also das richtig, richtig viel.

00:08:03: Da gibt es natürlich auch für diese akuten Blutungsgeschichten Substrate, um Gerinnung zu optimieren.

00:08:11: bis hin zu Blutprodukten, die man bestellt.

00:08:14: Das heißt, wenn da ein Patient ankommt, der ist Kreislauf instabil mit Blutungszeichen oder Verdacht auf Blutungen, dann bestellen wir auch Blutprodukte, also Erythrozytenkonzentrate, Plasmakonzentrate und auch wenn die Leute Massentransfusion erhalten, dann nochmal zusätzlich Trombos.

00:08:36: Und man braucht sowas im Schockraum, zumindest im Schockraum CT, gibt es noch eine Wärme-Einrichtung, wo man versucht, dass der Patient warm bleibt, nicht auskühlt, Gerinnung funktioniert und unter richtigen Bedingungen.

00:08:49: Das wäre das erst das Wesentlichste.

00:08:52: Wenn ich jetzt Periode Studierender in der Orthobedi-Unfallchirurgie bin und ich bin der Zentral-Lotaufnahme und es kommt ein, das ist ein Schockraumpatient angekündigt und ich will da... helfen oder was machen.

00:09:04: Kann ich in der Phase irgendwie sinnvoll etwas tun oder gucke ich da besser zu und lerne?

00:09:11: Also, wenn man ganz neu ist, guckt man erst mal nur zu.

00:09:14: Da stört man wahrscheinlich mehr oder, dass dieser Eifer zu helfen, anzupacken zu wollen ist.

00:09:20: Genau, das ist tatsächlich erst mal gucken und wir durchlaufen ja alle auch.

00:09:24: Trainings, also es ist ja nicht so, dass wir das irgendwie wissen und aus dem Buch irgendwie, sondern wir sind ja alle trainiert.

00:09:30: Das heißt, da gibt es Kurse, wo man das trainieren kann.

00:09:33: Wir machen hier intern immer eine Schockraum-Training-Woche, wo man das jährlich ein bis zweimal quasi aktualisiert, die Algorithmen und zu gucken, auch die Leute zu kennen zu lernen, alleine vom Sehen und man ja so ein bisschen das Miteinander arbeiten auch erst mal gucken muss, wie funktioniert das.

00:09:50: Also das sind ja Stresssituationen.

00:09:52: Da ist jetzt nicht für Experimente und ausprobieren irgendwie immer Zeit, sondern dann ist es so, da würde man sich ja Studierende oder Studierende eher mal einen Hintergrund halten und mal gucken und mal fragen.

00:10:04: Und manchmal ist es auch nur helfen beim Tragen von irgendwelchen Taschen.

00:10:07: Das ist ja schon manchmal

00:10:08: hilfreich.

00:10:09: Ja, ganz genau so.

00:10:11: Es gibt ja da so zwei große Organisationen, die die Kurse anbieten.

00:10:15: Das ist einmal dieses Advanced Trauma Life Support, RTLS und European Trauma-Kurs.

00:10:21: Das ist der, den wir hier in Mainz favorisieren.

00:10:25: Aber da machen wir hier die Kurse, beteiligen uns da auch dran.

00:10:28: Ich denke, ob das ein oder das andere Vorteil hat, brauchen wir gar nicht zu diskutieren.

00:10:32: Es ist auf jeden Fall wichtig, dass diese Kurse in der gesamten Klinik wahrgenommen und auch regelmäßig aufgefrischt werden.

00:10:39: Also ich war jetzt auch neulich bei einer Auffrischung und hätte vorher gedacht.

00:10:43: Könnt eh nichts mehr lernen, aber wurde doch eines besseren gelernt.

00:10:46: Da war noch Luft nach oben, muss ich sagen, nach was ich da am ersten Tag gemacht habe.

00:10:52: Jetzt lernen wir auf diesen Kursen immer nach einem sogenannten ABCDE-Schema vorzugehen.

00:10:57: Kannst du kurz erklären, was das ist?

00:11:00: Ja, das ist, wenn man es möchte, egal ob ATLS oder ATC, man möchte quasi alle Körperregionen abarbeiten.

00:11:09: idealerweise keine verpassen und quasi die zuerst erwischen, die am lebensbetrolligsten sein könnte.

00:11:16: Und so ist es mit, dass quasi das ABCDE Schema versucht, man die Atmung, die Beatmung und den Atemweg klarzustellen.

00:11:27: Und zu gucken, C steht hier in dieser Verzirkulation, also zu gucken, ist der Kreislauf in Ordnung, gibt es Blutungsquellen, die dagegen sprechen, dass der Kreislauf in Ordnung ist, Für die vielleicht mit der Krüffmütze.

00:11:42: Ist das Trucks

00:11:44: oder?

00:11:45: Ja, stimmt, Trucks.

00:11:48: Wir sind ja nicht lange her.

00:11:49: Wir quasi gucken, was medikamentös ist.

00:11:54: Und bei ES meine ich neurologisches Exposure, um zu gucken, passt das alles

00:12:02: oder?

00:12:03: Und muss das alles alleine machen?

00:12:05: oder wie macht man das?

00:12:06: Ja,

00:12:07: idealerweise ist bei uns im ETC so, dass wir uns da aufteilen.

00:12:11: Das heißt, dass der Ansatz ist, mehr die A und B's anguckt, wir primär nach den C's gucken und schauen, gibt's da noch für D und E etwas, damit man so ein bisschen gleichzeitig arbeitet, interdisziplinär, wenn man natürlich noch mehrere Kollegen hat, kann man das auch noch ein bisschen mehr die Aufgaben

00:12:27: verteilen.

00:12:28: Und wenn du jetzt an dich zurückdenkst, dein erster Schockraum, wo waren da Dinge, von denen du heute sagen würdest, wo du denn jüngeren und ich heute sagen würdest, das war nicht gut?

00:12:42: Oh Gott.

00:12:43: Erster Schockraum.

00:12:44: Es gibt ein paar Schaulenkramme, die habe ich behalten und die sind mit Sicherheit, bleiben die auch.

00:12:51: nicht gut ist, wenn zu viele versuchen, irgendwie Einfluss zu nehmen und dann irgendwie, sag ich mal, auch noch einer im übergeordneten Facharzt ist, denn der Oberarzt kommt, das ist alles Quatsch und das irgendwie versucht, anders zu machen.

00:13:04: Wenn man gewisse Algorithmusfahrte verlässt, kann das zum Problem kommt und ich sage immer... Versuche, jungen oder neuen Kollegen zu sagen, dass man es selber sich auch anschaut und selber auch in die Hand nimmt.

00:13:18: Also man kann sich natürlich auf den Radiologen verlassen, der sagt, da ist nichts.

00:13:22: Es ist günstig, einfach auch zum Lernen, zum Üben, die Bildgebung sich selber anzugucken.

00:13:28: Und den Patienten tatsächlich einfach zu untersuchen, aktiv in die Hand zu nehmen, die Sachen und nachzuschauen.

00:13:34: Was ich mal wieder feststellt ist, ist, dass man doch... Bei der ersten Fraktur, die man findet, denkt, super, jetzt habe ich was.

00:13:40: Und dann nicht mehr so richtig intensiv weiterguckt, ob da noch mehr Frakturen sind oder ob die Fraktur vielleicht offen ist oder nicht.

00:13:47: Und du hattest das ganz am Anfang angesprochen, die Wärmelampe, wenn die vergessen wird oder den Patienten zu wärmen, das finde ich immer so.

00:13:56: Also wenn die in die Hypothermie gehen, auch mal schlecht für die Patienten.

00:14:01: Und so Schockräume, die ich festgestellt habe, die wahnsinnig schlecht gelaufen sind, dass irgendjemand auch vergisst, Blutprodukte frühzeitig zu bestellen.

00:14:12: Das kann auch mal wirklich Probleme geben.

00:14:15: Und das ist was, da kommen wir vielleicht nochmal auf das Training zurück.

00:14:19: Doch häufig eher ein Problem der Kommunikation, oder?

00:14:22: Wie erlebst du das?

00:14:24: Ja, also die erste Info, die in die Klinik ankommt, da finde ich, ist es essentiell ... gewisse Sachen zu fragen, also da ist eigentlich der Kollege aus der Anastasie, derjenige, der filtern muss, was brauchen wir hier vor Ort, wem brauche ich vor allem vor Ort?

00:14:39: und das ist letztendlich auch mit der Erfahrung und plus kennt man den Kollegen draußen oder nicht?

00:14:43: oder ist das, wie ist die Telefonverbindung und und und, das ist essentiell.

00:14:50: Also, dass man weiß, was kommt und dass man die Zeit hat zum Vorbereiten.

00:14:54: Manchmal ist die ja nicht da, weil das um die Ecke passiert, aber es gibt ja so die klassischen Sachen mit.

00:14:59: Der Hubschrauber kommt in eine halben Stunde oder die kommt von der Autobahn.

00:15:03: Und dann, wenn man diese klassischen zwanzig, dreißig Minuten Vorlaufzeit hat, dass man da nochmal sich hinterfragt, haben wir alles.

00:15:10: sich idealerweise auch bevor der Patient kommt nochmal im Schockraum trifft und nochmal brieft und nochmal belegt ist jeder da und gucken wir nochmal nach und so, dass das nicht so ein Wir gehen jetzt mal gucken, sondern jeder das ernst nimmt und vorbereitet

00:15:23: ist.

00:15:24: Und was ich auch aus meiner Erfahrung aus den Kursen nur sagen kann, weil ich ja als Unfallchirurg eigentlich nie der Team-Lieder bin, aber da in den Kursen schon, es ist wirklich gut, wenn man den Team-Lieder mit Zusatzinformation oder Fragen einfach in Ruhe lässt.

00:15:38: Weil das sind so viele Informationen, die auf einen einprasseln und die muss man alle irgendwie verarbeiten und koordinieren und den Überblick bewahren.

00:15:46: Und da ist es wirklich gut, wenn man denen konzentriert seine Sache machen lässt und nicht noch irgendwie ablenkt.

00:15:55: Wir hatten, dass die Kommunikation angesprochen, jetzt hat jeder seinen Patienten untersucht und wir machen jetzt dann ja nach, wenn er ist immer noch Nach zwei bis fünf Minuten unsere zweite Runde und fragen dann, okay, wo stehen wir jetzt?

00:16:11: Da finde ich immer ganz gut geeignet, den Moment, wenn das CT beginnt.

00:16:15: Also wenn alle aus dem Untersuchungsraum raus müssen wegen der Strahlenbelastung, dass man dann nochmal kurz für alle zusammenfasst, was haben wir?

00:16:24: Weil das ist ja echt schwierig, dann Überblick zu behalten.

00:16:27: Also jeder hat irgendwas rausgefunden.

00:16:29: Man selbst war vielleicht gerade am Becken beschäftigt, das zu stabilisieren.

00:16:33: Gleichzeitig hat die Neurogyrogie bemerkt, dass da eine Blutung ist oder

00:16:37: der hat einen Pneumotorax

00:16:39: und braucht noch eine Torax-Linage und so weiter und so fort.

00:16:43: Wie planen wir jetzt die Versorgung des Patienten nach dem CT?

00:16:50: In der Abhängigkeit der am lebensbetrôlichsten Verletzung und wenn das jetzt einer ist, also... Kills first, treats first.

00:16:58: Blutungen werden zuerst gestellt.

00:17:00: Wenn das welche sind, zu stillen sind, natürlich ist der Kopf, wenn der eine Blutung hat, auch wichtig oder super wichtig, bevor wir jetzt den Knochenbruch am Schienbein machen.

00:17:10: Also da spricht man eigentlich intern sich ab, was man denkt, was sinnvoll ist und wo das sinnvoll ist zu machen.

00:17:18: Also nicht jedes Werkzeugkistchen ist ja überall verfügbar.

00:17:22: Hier ist es so geregelt, dass grundsätzlich das Wesentlichste für die erste Primärbehandlung bei uns unten in der Unfallchirurgie stattfinden kann, wo jede Abteilung in unserem großen Saal II mitarbeiten kann und parallel gearbeitet werden kann.

00:17:35: Also das ist eine interne Absprache nach Lebensbetrolligkeit der Verletzung.

00:17:41: Jetzt haben wir ja manchmal die Situation, dass wir Unfallchirurgisch bei den Patienten nichts haben, was lebensbedrohlich ist.

00:17:49: Und nehmen wir mal eine andere Fachabteilung, ist ja egal, welcher hat eine lebensgefährliche Verletzung, operiert den Patienten nachts und der geht dann auf Intensivstation.

00:17:59: Müssen wir den dann nochmal angucken, oder sind wir dann raus?

00:18:01: Nein, wir müssen den mindestens einmal noch angucken, idealerweise auch noch von drittes und manchmal auch noch ganz viele andere Male, dass man das sich wieder anguckt.

00:18:11: Auch beim intubierten Patienten muss man nochmal nachgucken, die können ja sowas wie sekundäre Compartment-Syndroma ausbilden oder dann hat man doch nicht das Sprunggelenken der Hand gehabt, um die Hände nochmal angeguckt, das sind ja so Sachen, die häufig übersehen werden, Fußverletzung, Handverletzung bei solchen Patienten.

00:18:28: Das heißt so, wie du es gesagt hast, so ein Secondary Survey, eine zweite Besichtung quasi zu machen, auch eine dritte Sichtung.

00:18:35: Idealerweise ist, wenn der Patient intubiert beatmet ist, nachdem er exzubiert worden ist und zumindest ein halbwegs neurologisch adäquates umzugucken.

00:18:42: Was kann der auch bewegen?

00:18:44: Das ist wichtig.

00:18:45: Und eigentlich, wenn man es ganz ehrlich will, immer wenn der Patient seinen Ort, wo er schläft, überwacht oder bleibt, wechselt, wäre es günstig, zum Beispiel von intensiv auf Wachbettzimmer, dass David an Zollwerk stattfindet und so

00:18:58: weiter.

00:18:59: Und auch immer wichtig, Teste dokumentieren, damit man weiß, was da los ist.

00:19:03: Und ich kann es nur sagen, aus einem Fall, den ich hier mal miterlebt habe, da hatten wir einen Patienten, der hatte auch einen Motorradunfall und war eigentlich gar nicht so... eigentlich das wesentlichste, was er hatte, weshalb er auf Intensivstation war, war die Betäubung für die Intubation und hat dann halt auf der Intensivstation die Intubation ausgeschlafen.

00:19:27: Und am nächsten Tag bin ich hin für den Secondary Survey und dann habe ich gemeint, der rechte Hand ist so dick.

00:19:32: Na ja, da ist eine Bronüle Paragel laufen, es kommt von der Paragel auf eine Bronüle.

00:19:36: Und der Mensch war auch so ein bisschen... Ich würde mal sagen Indolent und dann gesagt, nee, ist alles gut.

00:19:41: Aber irgendwie habe ich mich durchgesetzt und gesagt, nee, die Hand wird jetzt geröntchen.

00:19:44: Dann hat er eine Skaffoid-Luxationsfaktor gehabt.

00:19:48: Also das berinonelle Luxationsfaktor hat er gehabt.

00:19:51: Und das sind ja einfach so Sachen gekommen vor.

00:19:54: Und da muss man auch sagen, in dem Moment, in dem der Patient potenziell lebensbedrohlich im Schockraum ist, ist das für den ja relativ wurscht, ob der an der Hand eine Fraktur ist, die man auch nach sechs oder zwölf Stunden noch behandeln kann.

00:20:06: Aber wenn man die jetzt für zwei Wochen mal unbehandelt lässt, dann ist das schon doof.

00:20:11: Dann hat man aus einer ganz gut zu versorgenden Fraktur eine wirklich blöde Geschichte.

00:20:16: Was ist denn so ein Schockraum, an den du dich gut erinnern kannst?

00:20:22: Oder gibt's ein paar?

00:20:24: Das sind meist tatsächlich junge Menschen mit Verkehrsunfällen, die sind... eher richtig richtig verletzt, also das sind definitiv einige und junge Menschen, ich würde jetzt mal so einfach nur vom Untermechanismus beschreiben, die Intention ist meistens nicht so das schönste, sturz aus größerer Höhe, sind dann doch meistens eher so die jungen Männer, die dann aus größerer Höhe mit Extribitäten, Becken und Wirbelsäulen, Frakturen hier dann aufschlagen.

00:20:58: Und wie sieht denn so eine Versorgung aus?

00:21:01: Der hat jetzt eine Beckenfaktur, beide

00:21:03: Beine

00:21:04: gebrochen und die Würbelsolle, wie gehst du dann vor?

00:21:07: Also jetzt den letzten, ich sag mal jetzt aus diesem Jahr, ein junger Mann, kann man ja schon sagen.

00:21:15: Der hatte mehrere Verletzungen.

00:21:16: Er hatte eine Wirbelsäulenfraktur, wenn man so will, eine C-Verletzung, eine C-Verletzung vom Becken.

00:21:21: Das bedeutet C-Verletzung vom Becken?

00:21:23: Wenn man so ein bisschen unterteilt, die Frkturen in A, B und C, ist quasi C eine instabile Verletzung, eine schlimme Verletzung.

00:21:30: In

00:21:30: alle Richtungen?

00:21:30: In alle Richtungen.

00:21:31: Ja, eine A-Stabilität, B-Sosämie und C sind die instabilen.

00:21:37: Der hatte eine Oberschenkefraktur noch.

00:21:39: Ich glaube, einen offenen Ellenbogen-Frakturgiat in Distallen-Humoros.

00:21:44: Und ich glaube, beide Spunkelenkewerte, der auch noch

00:21:47: kaputt.

00:21:49: Und den haben wir tatsächlich, weil der Kreislauf instabil war, primär mit einer Rescue-Screw für das SACRUM gemacht.

00:21:59: Und dann noch zusätzlich additiv ein Beckenfixateur.

00:22:03: Für die Jüngeren, die jetzt zuhören, die Rescue-Screw macht genau was?

00:22:08: schließt den hinteren Beckenring und macht so quasi das Volumen kleiner im kleinen Becken.

00:22:13: damit, wenn da so eine Zerreißung ist bei so einer Zehverletzung vom venösem Plexus, dass da die Blutung zumindest sich selbst tamponieren könnte.

00:22:22: Also das heißt Rescue School wäre so eine iliosakrale Schraube.

00:22:28: in S-I, S-II, je nachdem, wo es geht, um quasi dieses abgerissen oder dislozierte Sacrum-Ilium-Fragment wieder an das Sacrum dranzumachen, damit dieser Kring-Schlucks vom Becken wieder funktioniert.

00:22:42: Bei diesem Partien haben wir das gemacht, dann Fixateur aufs Becken noch zusätzlich, Fixateur auf die Sprunkerlenker.

00:22:51: Das Femur haben wir auch mit einem Becken-Fixateur-Femur überbrückt.

00:22:55: Und dann sind wir übergegangen und haben den offenen, gebrochenen Ellenbogen gespült.

00:23:00: Da auch noch ein Fixateur drauf gemacht.

00:23:03: Und dann, glaube ich, war es nachts so um zwei.

00:23:05: Und dann haben wir ihn noch von hinten, von der Wirbelsäule versorgt.

00:23:08: Also damit haben wir bestimmt so sechs, sieben Stunden unterwegs.

00:23:11: Das ist ja eher die Ausnahme, dass man das hinbekommt.

00:23:13: Weil meistens sind ja dann die Kollegen, die ihn intensiv medizinisch betreuen, doch ... Wir müssen jetzt mal eine Pause machen und intensiv medizinisch stabilisieren.

00:23:23: Dann muss man auch sagen, wenn eine Würbel Verletzung, auch wenn die instabil ist und man den nicht beurteilen kann, weil der kommt ja intubiert und man hat, was der im Unfallort gemacht hat, das ist ja mehr so im Bereich

00:23:35: Hörensagen

00:23:37: und Anglalertein.

00:23:38: Also die Sturzwürfe wird immer schlimmer und die Verletzungsfolgen immer gravierender.

00:23:44: Da muss man das halt auch mal liegen lassen und ihn achtsgerecht lagern und dann gucken und die Wirbelsäule dann irgendwann versorgen, wenn es ihm gut genug geht.

00:23:55: Bei den Patienten ist es ja eigentlich gut ausgegangen, muss man sagen.

00:23:59: Wir haben ja leider auch Patienten, wo es nicht so ausgeht.

00:24:01: Und ich muss mal, es gab hier mal einen Fall, da ist ein Kind hier in Gonsenheim an der Schule überfahren worden, das über die grüne Ampel gegangen ist und kam Autofahrer an, der diese ... grüne Ampel nicht gesehen hat, weil die so ein bisschen im Laub eines Baumes versteckt war.

00:24:16: Das war ein ganz grauenhafter Schockraum.

00:24:18: Also, der war so ein Schockraum, wo man sagen konnte, der war vom Ablauf perfekt, aber wirklich grauenhaft.

00:24:24: Das sind so Dinge, die verfolgen einen auch noch.

00:24:29: Jedes Mal, wenn ich jetzt höhere Kind kommt in den Schockraum nach PKW-Kollision, denke ich mir auch, hoffentlich ist das nicht so, wie es da war.

00:24:38: Gut.

00:24:41: Wenn wir langsam zum Ende kommen, ich frage ja mal meine Gesprächspartner nach drei Tipps für junge Kollegen.

00:24:53: Das wäre natürlich toll, wenn man die Versorgung von politramatisierten Patienten mit insgesamt drei Tipps fehlerfrei immer durchführen könnte.

00:25:04: Aber so ganz grob, wo würdest du sagen, worauf sollte man Wert legen?

00:25:11: Also, wenn man jetzt so diesen Anfangspart nimmt mit, kann ich da, wenn ich das erst mal dabei bin, gleich mitspielen, dann würde ich sagen, nee, sondern man muss erst mal gucken, gucken, schauen, schauen, schauen.

00:25:22: Schauen auch, wie das ist.

00:25:24: Wissen aneignen, was mache ich, wenn?

00:25:27: Also, und Schämen oder Alkoholrythmen versuchen irgendwie, natürlich... darf man davon abweichen, muss man auch abweichen, aber auch zu gucken, wie funktioniert das?

00:25:36: Das ist von Klinik zu Klinik unterschiedlich, auch was die Logistik und die Infrastruktur besitzt oder anspricht.

00:25:44: Und natürlich an jemandem dranhängen, würde ich sagen, der Kompetenz und Erfahrung besitzt dazu.

00:25:51: Also der, der schon das ein paar Mal gesehen hat, der Einschätzung richtig behat, um zu sagen, das und das und dann kann man sich daraus sein eigenes... Konzept ein bisschen ableiten, das halte ich für wichtig.

00:26:04: In der Gruppe selber, in dem Schockraumteam selber ist Kommunikation, offene Kommunikation wichtig, natürlich auch dokumentieren später, aber dass jeder ungefähr auf dem ähnlichen gleichen Wissensstand ist über Verletzungen und Verletzungsfolgen.

00:26:19: Das halte ich für wichtig.

00:26:21: und natürlich, wenn man dann auch so ein bisschen guckt, dass wenn man eine Rolle zugeteilt bekommt, dass man versucht, die jetzt erstmal zu machen, natürlich seinem Partner links, rechts zu helfen oder auch zu unterstützen oder auch im Zweifelsfall die Rolle übernehmen, wenn der jetzt irgendwie was anderes noch übernehmen muss.

00:26:39: Das finde ich jetzt so plus Training, plus Training, plus Training.

00:26:45: Das ist denke ich so ganz essenziell, also Training und diese Trainings immer wieder auffrischen.

00:26:51: immer wieder faszinierend, was man alles vergisst und nicht mehr so weiß oder dann wieder in seinen alten Trotz zurückfällt.

00:26:58: Und auch dieses Schema immer abzuarbeiten.

00:27:01: Und ich finde, bei Schockräumen, die nicht gut laufen, sieht man fast immer, dass das Team irgendwann vom Schema oder vom Algorithmus abgewichen ist und nicht wieder dahin zurückgekehrt ist.

00:27:11: Also du sagst ja, ein bisschen Kreativität braucht man ja.

00:27:15: Medizin ist ja auch eine Kunst, also eine Behandlungskunst, aber trotzdem.

00:27:21: würde ich sagen, ist da die Kunstfertigkeit so ein bisschen eingeschränkt.

00:27:23: Da muss man doch gucken, dass man das gut abarbeitet und diese klare Kommunikation.

00:27:28: Das ist ja nichts schlimmer, als wenn einer die ganze Zeit rumplögt oder wenn jemand dabei ist, der überhaupt nichts sagt.

00:27:34: Das ist ja wirklich die beiden schlimmsten Fälle, die man da hat.

00:27:38: Jochen, super.

00:27:39: Vielen Dank.

00:27:40: Das hat mir viel Spaß gemacht.

00:27:42: Wir werden euch ein paar Folchen verlinken.

00:27:45: Ich habe mir schon die Notizen dazu gemacht.

00:27:48: Und ja, wir freuen uns auf euch, wenn ihr im Period bei uns seid und zum Schockraum begleitet.

00:27:52: Und wenn ihr die Folge positiv bewertet.

00:27:55: Alles Gute bis dann.

00:27:55: Tschüss.

00:27:56: Tschüss.

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